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Die Stubenfliege (Musca domestica)

Ein alltäglicher Begleiter menschlicher Existenz ist mit den Möglichkeiten seiner Gefährlichkeit in den letzten Jahrzehnten immer wieder in die Schlagzeilen geraten. So war z.B. 1996 in der Zeitung „Die Welt“ zu lesen, dass E.-coli Bakterien vom Typ 0157 bis zu vier Tage in einer Stubenfliege überleben und von dem Insekt auch ausgeschieden werden. Doch wundern darf all dies niemanden, denn die gemeine Stubenfliege ist schon lange als Lieferant verschiedenster Infektionskrankheiten bekannt. Hierzu gehören neben der Maul- und Klauenseuche auch Cholera, Ruhr und Typhus, um nur einige zu nennen. Auch hier sind besonders die Ausscheidungen der Fliege als das Medium zu nennen, welches den Erregern als Übertragungsstoff dient.

Die Fliege macht vor nur wenigen als Nahrungsquelle halt. Eine Lieblingsspeise kann durch ihre Eigenschaft erraten werden, dass sie Buttersäure als Merkmal für Fäulnis und Darmausscheidungen riechen kann. Richtig, Fliegen haben einen Gourmet-Sinn für menschliche und tierische Körperausscheidungen wie z.B. Kot, Schweiß oder Eiter aus Wunden. Zudem legen sie ihre Eier in menschliche oder tierische Leichname, da diese eine proteinreiche Nahrungsquelle für den schlüpfenden Nachwuchs sind. Ein Weibchen legt bis zu 2.000 Eier ab, mit der Folge von 8 – 10 Generation pro Jahr. Aus den Eiern entstehen über mehrere Entwicklungsstadien in 1 – 4 Wochen diese wunderbaren Flugkünstler.

So wie sie sich von den Resten anderer Lebewesen ernährt, steht sie selbst ziemlich weit hinten in der Nahrungskette. Sie selbst ist nahrhafter Proteinlieferant für Vögel, Spinnen und so manchen Zeitgenossen mehr. Dies ist wohl auch der Grund, warum die Natur ihr diese hohe Reproduzierbarkeit zugesprochen hat.

Um der Fliege ihre Gefährlichkeit zu nehmen, ist eine umfassende Bekämpfung so gut wie unmöglich. Die Fliege besitzt eine schnelle Resistenzbildung gegen über Insektiziden und ist durch ihre hohe Anzahl an Fressfeinden meistens sowieso sehr schnell im Verdauungstrakt derselben.

Zur Eindämmung der Krankheitsübertragung ist wie so oft das Stichwort „Hygiene“ zu nennen. Die sichere Abfallentsorgung  und ein funktionierendes Toilettensystem ist das A und O, um der Fliege die unabsichtliche Möglichkeit zu nehmen, Krankheitserreger zu übertragen.

Die Stubenfliege hat noch einen „sehr intelligenten“ Feind, einen Pilz mit dem Namen „Fliegentöter“. Doch darüber demnächst in diesem Blog mehr.

Abschließen möchte ich meinen heutigen Blogbeitrag mit einem der schönsten Gedichte beenden, die je über eine Stubenfliege geschrieben wurde.
„Die Stubenfliege“ von Eugen Roth 

„Ein Mensch, von einem wilden Brummer
Gekitzelt aus dem Mittagsschlummer
Kriegt auf das Mistvieh eine Wut –
Doch er bedenkt – der Mensch ist gut! –
Dass dieses Tier an sich nicht schuldig:
Und darum fängt er es geduldig,
Wie frech’s auch zwischen seiner Nase
Hintaumelt und dem Fensterglase.
Den unerwünschten Zimmergast
Lässt er ins Freie, zärtlich fast
Und ist von Herzen überzeugt,
Dass Gott, der doch die Welt beäugt,
Für gute Tat ihm dankbar sei. –
Doch sieh! Ein Vogel schwirrt vorbei
Und hascht, ganz selbstverständlich–roh,
Den Brummer, der so lebensfroh.
Der Mensch erkennt, dass gute Taten
Durch Gottes Ratschluss oft missraten.“

 

Einen fliegenfreien Tag wünscht Michael Grübel