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Liebe Leser,

auch zu Weihnachten lässt sich das Fachliche nicht ganz aussparen, es sei denn Sie bevorzugen einen Weihnachtsbaum aus Kunststoff oder evtl. einen Gummibaum, denn dann könnten Sie an dieser Stelle das Lesen einfach einstellen. Sollten Sie aber den echten Bäumen zugeneigt sein und sind Sie evtl. sogar Holzhausbesitzer, dann sind die folgenden Zeilen für Sie genau richtig.

Denn Sie geben nicht nur dem Baum temporär ein zu Hause, sondern evtl. auch dem einen oder anderen Baumbewohner. Doch eins nach dem anderen.

In den deutschen Haushalten stehen ca. 29.000.000 Millionen Weihnachtsbäume und der in Deutschland meistverkaufte Weihnachtsbaum ist die Nordmanntanne, also ein eigentlich aus dem Kaukasus stammender Nadelbaum. Und natürlich werden Nadelbäume auch von holzzerstörenden Insekten befallen, so dass auch Ihr Holzhaus oder wertvolle Erbschränke in Gefahr sein könnten. Sie sollten Ihre Feinde also ein wenig näher kennenlernen und von möglichen „Freunden“ unterscheiden können.

Nadelbäume werden nie vom „Gekämmten Nagekäfer“ (Ptilinus pectinicornis) befallen. Er mag trockenes oder aber auch frisches Laubholz. Eigentlich schade, dass Sie ihm über diesen Weg nicht begegnen, hat dieser Käfer doch zwei Fühler am Kopf, deren Kämmung an die Wimpern von Marylin Monroe erinnern. Es lohnt sich also ihn kennen zu lernen, nach meiner Meinung ist er der hübscheste unter den Nagekäfern.

Das Vergnügen mit dem „bunten oder auch gescheckten Nagekäfer“ (Xextobium rufovillosum) wird Ihnen über den Tannenbaum auch nicht zu teil, da diese Anobien Art zu den sogenannten „Faulholz-Insekten“ zählt und somit eher am feuchten, durch Pilzbefall vorgeschädigten Holz zu finden ist. Meistens sind die feilgebotenen Tannenbäume noch frisch und Sie haben keine Pilzschädigung mit eingekauft. Doch auch hier kann ich Sie nur bedauern, denn die Bekanntschaft mit dem „bunten Nagekäfer“ hat gerade in seiner Paarungszeit eine ganz besondere Note. Der „bunte Nagekäfer“ stößt mit seinem Kopf sieben- bis achtmal pro Sekunde auf das Holz, was ihm nach einem alten Aberglauben auch den Beinamen „Totenuhr“ eingebracht hat. Früher waren die Menschen der Meinung, dass Geräusch kündige einen Todesfall in dem jeweiligen Haus an. Ich finde die Klopfgeräusche sind einfach nur gemütlich und passen zur muckeligen Weihnachtszeit. Ein Holzscheid mit Vertretern des „Bunten Nagekäfer“ unter dem Weihnachtsbaum bringt Atmosphäre.

Die beiden letztgenannten sind also eher „Freunde“ und müssen Ihnen auch als ökologisch orientierten Besitzer eines „ohne Holzschutz behandelten Holzhauses“ nicht die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Doch schauen wir uns mal den „gewöhnlichen Nagekäfer“ (Anobium punctatum) an.

Der „gewöhnliche Nagekäfer“ wird im Volksmund auch „Holzwurm“ genannt und ist der am häufigsten anzutreffende Vertreter aus der Familie der Nagekäfer (Anobiidae). Sie finden ihn in antiken Möbeln, allen Konstruktionshölzern, z.B. Fachwerk und auch in Holztreppen. Hierbei ist er nicht wählerisch und frisst das Splintholz von Nadel- und Laubbäumen. Er ist also eine Gefahr für Möbel und Gebäude.

Doch wird der Käfer mit dem Tannenbaum eingeschleppt? Nicht unbedingt, da der Baum meist noch eine zu hohe Holzfeuchte aufweist. Der Käfer gilt als Trockenholzinsekt und bevorzugt eine Holzfeuchte von 10% bis 12%. Ist der Baum noch frisch, ist auch die Holzfeuchte höher und es ist dem Käfer meist zu „nass“. Frisch ist also auch hier wichtig!

Auch der „Hausbock“ (Hylotrupes bajulus) gehört zu den Trockenholzinsekten und ist eher nicht in einem frischen Tannenbaum mit hoher Holzfeuchte zu finden. Doch Achtung! Er gehört mit Abstand zu den gefährlichsten Zerstörern von verbautem Holz und ein Befall sollte nicht unterschätzt werden.

Sie können also beruhigt sein und das Weihnachtsfest genießen. Sollte es dennoch Probleme geben, rufen Sie einfach an, es könnte auch der „Mulmbock“ (Ergates faber) sein. Doch das ist eine weitere Geschichte.

Frohe Weihnachten wünscht

Michael Grübel

 

 

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